Die Zicke – Kurzbetrachtung über eine besondere Frau
Jeder Mensch versucht während seines Lebens, eine Persönlichkeit zu entwickeln, die an möglichst vielen Situationen optimal angepasst ist. Dies ist nicht einfach, dann mal will ja eine individuelle Persönlichkeit entwickeln und sich nicht einfach „stromlinienförmig“ an die Umgebung anpassen.
Das genau ist das Problem der Zicke: Sie will sich weder anpassen noch entwickelt sie eine verlässliche eigene Persönlichkeit. Im Gegenteil: Sie hat gelernt, dass man aus alltäglichen Situationen heraus oft viel erreichen kann, wenn man wechselweise unterwürfig und dominant, hartherzig und liebevoll oder verlässlich und unberechenbar ist. Mit diesem Repertoire versucht sie, alle Menschen ihrer Umgebung zu manipulieren: zuerst Lehrer und Mitschüler, später aber auch Chefs, Kollegen, Vermieter, Bankangestellte – kurz: jeden Menschen, der ihr über den Weg läuft.
Die Zicke weiß, dass sie bei gewissen Leuten auf Beton beißt – trifft sie einen solchen Menschen, so sucht sie sich einen anderen, der auf sie eingeht. Es sind vor allem die weichen, freundlichen, verständnisvollen Menschen, die sie für sich vereinnahmt. Sie suggeriert ihnen, dass die übrige Menschheit sie völlig falsch einschätzen würde. Nein, sie sei keine Zicke – jeder verständnisvolle Mensch müsse doch merken, dass sie, die vermeintliche Zicke, die liebste Person dieser Erde sei.
Wehe, wer daran glaubt. Die Zickenkoalition mit einer weiblichen oder männlichen Unzicke wird gesucht, um überhaupt eine Freundschaft oder Liebe zu gewinnen. Ist dieser Pakt geknüpft, beginnt die Zicke mit ihrer Hauptstrategie: Hat man den Anderen erst einmal eingelullt oder eingesext, dann kann man mit den Forderungen beginnen – und die werden dann in Zickenmanier durchgesetzt: Das ganze Gefühlsrepertoire wird aktiviert: Wechselweise versteht sich – dem Tränenausbruch folgt bei der Zicke alsbald der Beischlaf, und diesem dann am nächsten Tag ein neuer Vorwurf.
Eines Tages steht fest: Die Zicke muss dahin zurück, wo sie hergekommen ist.
Nicht jeder lernt diese Lektion: Manche Männer werfen die Zicke durch die Vordertür hinaus, und eine neue kommt durch die Hintertür herein. Für sie hat Guido Eckert jetzt ein Buch darüber geschrieben mit dem Titel “Zickensklaven“. Ich stimme persönlich nicht damit überein, dass Zicken „mehr und mehr zum dominanten Ideal moderner Weiblichkeit werden“, aber ich unterschreibe voll und ganz, dass Zicken grundsätzlich mehr nehmen, als sie zu geben bereit sind. Ich bin allerdings nicht überzeugt, dass viele Männer dieses Buch lesen werden: Sie werden Zicke um Zicke in ihre Wohnung holen, und erst aufwachen, wenn sie emotional ausgeblutet und finanziell am Ende sind. Wäre es so, so wäre es schade um diese Männer.
Bild: © 2009 by last hero
Kategorie(n): Kurioses & Fun, Psychologie, Rund um die Liebe
veröffentlicht am: 17. Oktober 2009 (RSS 2.0, trackback)



