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Das Weibsbild – warum sich alles plötzlich änderte

Zur aktuellen Diskussion, die, wie ich mit Freude bemerkt habe, ja auch hier gerade losgetreten wurde, will ich mal etwas historisch nachstopfen: Das „moderne Frauenbild“, also das einer selbstständigen und selbstbestimmenden Frau, das wir heute haben, gibt es in konkreten Ansätzen überhaupt erst seit den 70er Jahren – und so, wie es heute ist, eigentlich erst seit den 90ern.

Was war vorher? Ich will euch nicht mit der Geschichte nerven, aber so viel sollte man wissen: Erst Ende des 18. und Mitte des 19. Jahrhunderts kam die romantische Liebe auf – aber ein Gewinn war das nicht: Denn, ob romantisch oder nicht – das Töchterchen war, eben keine selbstständige Frau, sondern eine, die „unter die Haube“ gebracht werden musste.

Der Clou an der Sache: Das Bürgertöchterlein musste verhökert werden, was in der Praxis bedeutete, dass Mami und Papi mal kräftig Aussteuer herankarren mussten und aus Papis Vermögen noch ein hübsches Sümmchen oben drauf musste: die Mitgift.

Mit ein paar Abstrichen an die Höhe der Aussteuer und der Mitgift blieb das noch lange so – erst nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Sache aus Not: Immer mehr Frauen mussten arbeiten, weil keine Männer da waren. Von einem „modernen“ Frauenbild konnte aber immer noch keine Rede sein: Frauen hatten auch in den 1950ern noch keusch und zurückhaltend zu sein und (möglichst daheim) darauf zu warten, dass der Prinz kommen würde. Wer die Regeln durchbrach (das gab es) musste mit gesellschaftlicher Ächtung rechnen.

Was ein „Weibsbild“ zu sein hatte, bestimmten weiterhin Männer: vor allem die stockkonservativen Politiker der Adenauerregierung und ihre Helfershelfer aus Pädagogik, Psychologie und Theologie.

Alles hat einmal ein Ende: sogar der Bürgermief der 1950er. Erst kam der Rock’n Roll, dann die Pille – „Halbstarke“, sogenannte „Exis“ und provozierende Frauen im Minirock forderten die „alten Säcke“ und ihre Hilfsarmeen heraus – und gewannen nach zahllosen intellektuellen, emotionalen und realen Schlachten. 1968 bedeutete da nur noch die Verlagerung des längst vorhandenen Protestpotenzials an die Unis.

Erst dann ging es wirklich Bergauf: Der „Muff von tausend Jahren“ wurde aus den Hirnen weggeblasen. Seither blieb kein Stein mehr auf dem anderen – aber das hab eich euch ja schon erzählt. Das Frauenbild jedenfalls muss fast jedes Jahr wieder etwas angepasst werden – es dauert eben, bis der alte Mief heraus ist – und so, leibe Freunde, habt ihr es eben schwer: Ihr müsst euch, gleich, ob Frauen oder Männer, gegen die Konkurrenz durchsetzen und damit rechnen, dass ihr alles, was ihr als Grundschüler über das soziale Zusammenleben gelernt habt, im Erwachsenalter Schnee von gestern ist.

Frauen und Männer – zwei Welten?
Wenn Frauen gefunden werden wollen

von Gebhard Roese (alle Beiträge ansehen)
Kategorie(n): Beziehung & Partnerschaft
veröffentlicht am: 23. Februar 2008 (RSS 2.0, trackback
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